Für das Statussymbol Uhr gibt es viele Uhrenboersen

Man kann darüber lächeln, man kann darüber die Nase rümpfen, aber ein erheblicher Teil der Männer hat einen Uhrentick. Während für Frauen die Uhr eher ein Mode- oder Schmuckgegenstand ist, ist sie für die Männer (natürlich nicht alle) ein Statussymbol. Eine „HAU“, also eine Herrenarmbanduhr, wie es im Fachjargon heißt, ist ja auch wesentlich größer und damit auffälliger, als eine „DAU“, eine Damenarmbanduhr. Viele Herren lieben es eben etwas größer. Die Frauen sind hoch zufrieden in ihrem Mini und eigentlich nur unter Androhung von Gewalt dazu zu bewegen, den „Hummer H2“ des Ehemannes zu steuern. Eine dicke, fette „HAU“ ist also ein Statussymbol, wobei sich das Problem ergibt, dass eine ganz bestimmte „HAU“, sofern sie auch noch rundum mit Brillanten besetzt ist, als Zuhälteruhr gilt und „mann“ diese Uhr eben nicht trägt, obwohl „mann“ sie gerne tragen würde. Zur Befriedigung der großen Nachfrage gibt es natürlich Juwelierläden und ein Meer von Uhrenboersen – real und im Internet. Das sind einmal Börsen in der Art von Auktionen, aber auch kleine Läden, die sich auf bestimmte, vor allem gebrauchte Uhren-Nobelmarken spezialisiert haben. Die machen es dann möglich, dass sich auch der Mann mit einem eher mittleren Einkommen einen Chronografen aus Schweizer oder Glashütter Produktion zulegen kann. In den Entwicklungsländern versucht selbst der ärmste der Armen, eine Uhr zu besitzen – möglichst groß, goldig glänzend und damit auffällig. Das hebt sein Selbstwertgefühl – er ist dann ein „Herr“ oder glaubt einer zu sein. Dass diese Uhren billige Imitate aus Fernost sind, stört ihn nicht – wohl aber die Nobelmarken. Denn die kleine goldene Damenuhr aus dem Hause Cartier oder anderen noblen Häusern, wird täuschend echt nachgemacht. Das wurmt die Hersteller von Genf bis Paris ganz gewaltig und wenn sie eine Ladung solcher Imitate in die Hände kriegen, dann lassen sie gerne eine Straßenwalze darüber rollen. Den Betreibern von Uhrenboersen ist das eigentlich egal, denn ihre Klientel ist auf das Echte fixiert. Und nicht wenige der männlichen Kunden haben sich zu Sammlern gemausert. Da kann es dann sein, dass eine „Beobachteruhr“ aus dem 2. Weltkrieg, die die Aufklärer-Piloten am Handgelenk trugen, trotz eines Materialwertes gegen Null für 5.000 € und mehr über den Ladentisch geht. Das begreift keine Frau – wie denn auch kein Mann (Kürschner ausgenommen) begreift, was eigentlich an einem Pelzmantel so toll ist. Für die Frau hat der Nerz eine erotische Komponente, für den Mann eigentlich nur die Frau ohne Nerz (und ohne sonst was). Setzt man das in Relation zur „HAU“, so hat auch diese eine erotische Ausstrahlung. Jedenfalls auf eine Frau, denn diese folgert, dass ein Mann mit einer 100.000-Euro-Uhr am Handgelenk und weiteren Uhren im Tresor das nötige Kleingeld haben müsste, um ihr…einen Nerzmantel zu kaufen.
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